Zum Sommer legt die friesische Instanz eine extrem starke Variante ihres Biers vor. Hier ist einiges anders als sonst: schwarz statt grün, Dose statt Flasche – kann dieses Bier auch in anderer Hinsicht überraschen?
Die Marke Jever zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus. Zum einen werben die Friesen neuerdings – ob auf der Website oder in der Werbung – konsequent mit irgendwelchen Phantasie-Leuchttürmen, obwohl eines der spektakulärsten Exemplare genau vor der Brauereitür steht: der frei in der Jade plazierte Leuchtturm Amgast, der ja schon in den 90ern den „klassischen Jever-Mann“ erleuchtete. Zudem produziert die Brauerei mit friesischer Sturheit nur eine Sorte Bier – aber das in mehreren Variationen, wobei insbesondere die alkoholfreie Sparte einen Schwerpunkt darstellt. Da dachte man sich wohl: wenn wir anderswo so viel Alkohol sparen, warum dann nicht mal eine Sorte mit extra viel davon? Haptisch und optisch orientierte man sich mit einer schwarz-goldenene Halbliterdose an Bewährten und ließ sich offensichtlich von Carlsberg und seinen Elephants inspirieren.

Über dem glasklaren und gerstenfeldgelben Bier sprudelt ein Schaum auf, der so weiß ist, wie die Schäfchenwolken über der friesischen Küste. Mit etwas Geduld und Geschick lässt sich daraus eine ansehnliche Krone bauen. Das lohnt sich, falls man ein Glas zur Hand hat, denn der Schaum des Strong ist erstaunlich beständig. Darüber wabert ein leicht grasiger Duft, der allerdings nicht sehr eindrucksvoll und ziemlich flüchtig ist.
Auf der Zunge gibt sich auch das Strong alle Mühe, den Ansprüchen und Erwartungen der Jever-Freunde zu entsprechen. Die klassische Beschreibung „friesisch-herb“ vermittelt diesen bekannten Geschmack sicherlich am griffigsten. Dahinter macht sich allerdings rasch ein deutlicher Hauch von Lakritze bemerkbar – und natürlich eine gewisse Spritigkeit, denn irgendwo müssen die beeindruckenden 7,5 % ja auch an und in den Verbraucher.
Die friesische Variante des „elefantenstarken“ Bieres ist eben das nicht, sondern eine echte Alternative zu dem bekannten Dänen. Wer dessen malzige Grundnote, die mal ins süßliche mal ins klebrige reicht, nicht besonders schätzt, dem bietet Jever hier ein herbes „Strong“ ohne malzige Kapriolen, aber leider auch mit nicht allzuviel Süffigkeit.
