Während Crafter ja gerne fremden Brau-Traditionen nachspüren, haben die etablierten Brauereien es etwas leichter: man schlägt einfach in den alten Aufzeichnungen der eigenen Braumeister vergangener Zeiten nach. In einem Eintrag aus dem Jahr 1801 wurden die Leute von Guinness fündig – hat sich die Suche gelohnt?
Auf ihr gewohntes Bier wollten auch die britischen Kolonialtruppen in Indien nicht verzichten. Daher brauten die englischen Hersteller ihr Pale Ale etwas stärker ein und fügten zudem etwas mehr vom konservierenden Hopfen hinzu, damit das Bier die lange Reise durch zwei Ozeane und über drei Kontinente überstehen konnte. So entstand das India Pale Ale, kurz IPA. Diese Geschichte ist jedem Craftbier-Freund in der einen oder anderen Variante bekannt. Aber wer wusste schon, dass auch Guinness sich zu Zeiten der Segelschiffe bereits Gedanken um den weltweiten Vertrieb gemacht und ein geeignetes Bier dafür angedacht hatte? Beim Blättern in alten Aufzeichnungen wurden die Produktentwickler vom St. James Gate in einem Dokument von 1801 fündig. Reichert man das Guinness-Grundrezept nämlich mit etwas mehr Hopfen an und braut es auf respektable 6 % hoch, dann übersteht das Bier die Reise nach Amerika! Oder zumindest bis zu den Westindies, die ja bekanntlich in der Karibik liegen.

Durch das tiefdunkte Bier dringt kaum Licht, aber wenn, dann schimmert darin ein warmes Rubinrot. Darüber bildet sich der typische cremige Schaum, der ein deutlich dunkleres Karamell aufweist, als beim „normalen“ Guinness. Karamell prägt auch den Geruch, der dem appetitlichen Schaum entströmt, hinzu kommt eine dezent schokoladige, sogar leicht pfeffrige Note.
Wie das allgemeine Erscheinungsbild bereits andeutet, handelt es sich um ein komplexes und vollmundiges Bier. Die ersten Eindrücke anfäglichen Schnupperns bestätigen sich allerdings beim Antrunk nicht. Das Westindies Porter präsentiert sich zunächst bitter, wobei eine fast erfrischende Säuerlichkeit mitschwingt. Nach und nach kommt ein samtiges Pfefferaroma hinzu. Wie bei vielen malzdominierten Bieren, so ändert auch das Guinness Westindies Porter seine grundsätzliche Ausrichtung gegen Ende zunehmend ins Süßliche. Das ist ja nicht jedermanns Sache, da das Ergebnis von Manchen als unterkomplex empfunden wird. Für Malzfreunde lohnt es sich aber, denn so schokoladig, wie hier, wird es selten.
