Die belgische Bierkultur ist zurecht berühmt und gerühmt für ihre Abteibiere. Wir nehmen uns hier eines der bekanntesten Produkte vor, das nicht von den legendären Trappisten stammt – ist dieses Blonde dennoch ein himmlisches Erlebnis?
Mit der ursprünglichen Klosterbrauerei, deren Gründungsdatum noch auf dem Flaschenetikett annonciert wird, hat die Marke Leffe wirklich nicht mehr viel zu tun. Tatsächlich ist die Produktlinie Leffe einer der Pfeiler auf denen der Biergigant InBev gründet und stammt aus den Braukesseln der Stella Artois in Löwen. Diese Brauerei wiederum hat seit einiger Zeit mit einer kräftigen Image-Delle zu kämpfen, seit ein Re-Branding zugunsten der Positionierung auf dem umkämpften britischen Biermarkt, wo sie sich als Premium-Marke etablieren wollte, nach hinten losgegangen ist. Aber außer dem unseriösen Drang, mit niedrigen Jahreszahlen um sich zu werfen hat diese kuriose Geschichte wenig mit dem hier präsentierten Bier zu tun, das sowieso viel zu typisch belgisch ist, um irgendein Marketing-Make-Up nötig zu haben.

Die belgische Bierwelt bietet eine ganz eigene Vielfalt an Stilen, die alle gemein haben, das man sich nicht das Geringste um das deutsche Reinheitsgebot schert. Entsprechend sind im Blonden von Leffe auch zusätzliche Spezereien enthalten. Neben Hopfen, Malz und Wasser sind dies Mais und Zucker. Hier sind ein paar Worte zur Sorte angebracht: ein Blondes ist ein obergäriges Bier und soll von hellgelber Farbe sein, eine attraktive Süffigkeit mit sich bringen und zudem (oder „eben drum“) nur eine geringe Bittere aufweisen. Bei allen Blonden ist eine kräftige Perlage eigentlich Standard, da man mit dieser Sorte auf ein erfrischendes Trinkerlebnis abzielt angesichts einer relativ leichten Biersorte – zumindest für belgische Verhältnisse. Alle diese Aspekte weist das Blonde von Leffe auf und einige sind auch auf den ersten Blick erkennbar, wenn sich der hochmotivierte großblasige Schaum über dem rotblonden glasklaren Bier auftürmt.
Die belgischen Biere haben oft einen typischen leicht brotigen Geruch, wobei das Blonde von Leffe keine Ausnahme macht. Auf der Zunge und im Mund dominiert dann das Malz, das sich durch die fleißige Perlage rasch verteilt und bis in den Gaumen als dominante Note erhalten bleibt. ein interessanter Effekt ist, dass sich die Malzigkeit in allen Winkeln ähnlich präsentiert. Hierbei harmoniert sie hervorragend mit etwas, das bei diesem Bier quasi nicht vorhanden ist: der Bittere, bzw. dem Fehlen derselben.
Gegen Ende dringt dann ebenso erwartbar wie penetrant eine wenig raffinierte Süße durch, die wahrscheinlich durch den enthaltenen Zucker und das verwendete Malz nochmals besonders befeuert wird. Hier heißt es: rasch trinken und lieber eine zweite Flasche ergreifen, als sich die klebrige Neige zu geben.
