Helles von Astra

Ob es um Mischgetränke geht, oder gar um die Teilnahme am würdigen Hamburger Senatsbock: Astra hält an der Knolle fest. Das gilt auch für das Helle, mit dem die Brauerei den Trend aufgreift. Hier zeigen sich Glaube und Treue, aber gibt es für dieses Bier auch Hoffnung?

Die Werbekampagnen von Astra sind in Hamburg legendär, aber die Meinung zum Produkt sind in der Hansestadt differenziert. Gilt die frühere Konkurrentin und jetzige Schwestermarke Holsten als das eigentliche Hamburger Bier, wird Astra von Alteingesessenen oft als „Touristenmarke“ angesehen. Vielleicht hat diese verbreitete Ansicht die Marke auch etwas knorrig gemacht, was sich allein schon visuell – bzw. haptisch – im Beharren auf das Abfüllen der Produkte, egal wie sie ausgerichtet sind, in die Steinieflasche äußert, die hier im Norden als „Knolle“ bezeichnet wird. Damit stellt sich Astra bewusst gegen den Trend, im Zuge dessen die Produzenten gerade für ihr Helles jeweils andere Flaschenformen nutzen. Wahrscheinlich ausgehend vom „Pülleken“ von Veltins sind das beispielsweise bei Krombacher oder Ratsherrn die kleineren Versionen der Euroflasche.

Seit ein paar Jahren ist bei Astra ein Fokus auf Artwork zu bemerken. Dabei orientiert sich die Marke, obwohl die Produktion sich mittlerweile von der Elbe wegverlagert hat, an Seefahrtsoptik, maritimen Symbolen und Kiezromantik. Entsprechend spielt der Untertitel des Bieres mit „kleine Freiheit“ auf eine berühmte Straße im hafennahen Hamburger Vegnügungsviertel an. Auch zeigt sich entsprechend auf dem Etikett des Hellen eine gutbemützte Möwe, wobei wir eine deutliche Ähnlichkeit zu unserem Logo erkennen. Die Astra-Möwe schnappt nach dem „Glaube Liebe Hoffnung“-Symbol, von dem sich Astra bald trennen will, wie man aktuell hört,

Der satte goldgelbe Farbton des frischaufsprudelnden Bieres vermittelt schon optisch, wohin die Reise mit diesem Produkt geht – willkommen im Malz! Im Glas bildet sich trotz der hochmotivierten Perlage nur kurz ein grobporiger Schaum, der rasch vergeht. Daraus entströmt ein dezenter grasiger Duft mit einer deutlichen würzig-erdigen Note.

Ungeachtet der ansprechenden Optik und der vielversprechenden olfaktorischen Eindrücke trinkt sich das Bier etwas sperrig. Zum einen liegt das an dem kräftigen Blubber, zum anderen an dem süßlichen Malzgeschmack, der dem Hellen einiges an Frische nimmt, die für diese Sorte doch eigentlich so charakterisierend sein sollte. Zudem setzt sich im Hintergrund immer wieder eine deutliche Spritigkeit durch, wobei man jedes Prozent der 5,1 % vol durchschmeckt. Aber die größte Hürde auf dem Weg zum Sommerbier stellt für das Helle von Astra die deutliche Bitterkeit dar, mit der es die Zunge belegt. Das führt zu einem massiven und kompakten Eindruck und somit weit weg von der Erfrischung, für die man eigentlich eine Flasche Helles öffnet – egal in welcher Form sie daherkommt.

Lest hier Interessantes zum ersten Hellen und zur Geschichte der Biersorte.

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