Die Gerüchteküche brodelte schon lange, was bei einem Unternehmen, das so sehr auf Transparenz und Teilhabe setzt, wie BrewDog, ja nicht ausbleiben konnte. Aber auch zufällige Kunden, die sich in die diversen Läden in Berlin, Hamburg und Wiesbaden zu einem kleinen Experiment mit diesem neumodischen Craft-Bier-Zeug einfanden, konnten es seit zumindest ein paar Monaten bereits erahnen, dass es mit BrewDog nicht zum Besten steht.
Gründe wurden noch nicht bekannt, das gibt Anlass zu Spekulation. Haben es die BrewDogs einfach verpasst, rechtzeitig zur Absicherung ihrer betrieblichen Expansion einen finanzkräftigen Investor an Bord zu lassen? Das würde zum punkigen Selbstverständnis der Marke und zur trotzigen Attitüde ihrer Macher passen. Waren die experiemtierfreudigen Brauer, die erwiesenermaßen ein Näschen für Vertrieb hatten, mit den Anforderungen und Dynamiken einer großstädtischen Gastro-Kette einfach überfordert? Die Google Rezensionen deuten jedenfalls auf Letzteres hin. Anfang März meldeten es die Branchenmagazine und – bedingt durch die für Crafter außergewöhnliche Bekanntheit der Marke – dann auch die größeren Medien: mit BrewDog ist es aus!
Zumindest in der jetzigen Form, denn für Teile der Firma fand sich doch ein Investor. Mit der Übernahme der Braustätten im Vereinigten Königreich sowie elf Pubs auf den britischen Inseln, steigt der us-amerikanische Lifestyle-Konsum-Riese Tilray groß in den Craftbeer-Markt ein. Mit den angeblich aufgerufenen 33 Millionen Pfund, oder, je nach Quelle, 34 Millionen Franken, wird allerdings nicht die Gemeinschaft der Equity-Punks ausgezahlt. Diese spezielle Fangruppe konnte mit dem Erwerb und Füllen einer Digital Wallet in gewisser Weise „Anteile“ erwerben, wodurch man allerdings nicht im eigentlichen Sinne Anteileigner wurde, sondern halt auf punkige Weise. Das hatte gewisse Benefits zur Folge, aber nun ist die Kohle weg. Das betrifft immerhin eine sechsstellige Anzahl an Leuten.

Zu dem unternehmerischen kommt also nun noch ein menschliches Drama hinzu. Für Tilray soll sich die Sache allerdings auszahlen, denn die Firma rechnet für ihre nagelneue Sparte mit einem Jahresumsatz von 200 Millionen US-Dollar. Das lässt deutsche Fans staunen, denn heißt es nicht allerorten, mit Craftbeer ging es bergab? Sie sind in Tilrays Plänen sowiso nicht berücksichtigt, denn die hiesigen Aktivitäten, Fertigungsstätten und Schankstuben werden nicht weitergeführt. Aber es beiben, auch für uns, schöne Erinnerungen! Denn BrewDog war sowohl eine Station auf unserem 2023er Berlin Craft-Bier-Crawl als auch auf unserem Hamburger-Hafen-Craft-Bier-Crawl im Sommer 2025.
Quellen:
https://www.about-drinks.com/tilray-brands-uebernimmt-brewdog-fuer-33-millionen-pfund
https://www.meininger.de/getraenke-zeitung/brauereien/us-unternehmen-uebernimmt-brewdog
