Neben einigen weiteren gewaltigen kulturellen Schockwellen für den eher verschlafenen holsteinischen Landkreis Steinburg hat das Wacken-Festival auch eine kulinarische Errungenschaft hervorgebracht: die Wacken Brauerei, die sich mit „The Beer of the Gods“ vorstellt – ist dieses Pils ein himmlisches Erlebnis?
Einmal im Jahr wird die norddeutsche Tiefebene in der Ruhe und Gemächlichkeit eigentlich das Ideal der Existenz darstellen, von dröhnendem Rock erschüttert – nämlich dann wenn die Metalheads im Herzen des Kreises Steinburg zum Wacken Festival zusamenstömen. Und strömen tut bei dieser Gelegenheit seit jeher auch das Bier, damit war es nur folgerichtig, dass die Wacken-Crew eine eigene Braustätte einrichtet, in der seit ein paar Jahren unter dem Motto „Beer of the Gods“ eigenes Wacken-Bier gebraut wird. Das Pils aus dieser Produktreihe ist nach dem rastlosen Küstengeist „Schimmelreiter“ benannt. Der gleichnamige Roman von Theodor Storm spielt seinerseits eine zentrale Rolle im Schaffen des dithmarscher Künstlers Jens Rusch, der zudem dem Wackenfestival herzlich verbunden ist. Er stammt aus Neufeld und das ist ja nur ein paar Kilometer den Kanal hoch (oder runter, je nachdem). So war es wiederum folgerichtig, dass Jens Rusch das Artwork zum Schimmelreiter-Pils beigesteuert hat.

Das hellgelbe leicht trübe Bier entwickelt nur zögerlich einen grobblasigen und schnell vergänglichen Schaum, der keine Schlieren am Glas hinterlässt. Darüber schwebt ein deutlicher Grasgeruch mit malzigen Anklängen. Der Hopfen stellt sich erst beim Trinken vor, bleibt aber immer im Hintergrund, wodurch sich eine harmonische Allianz mit dem Malz ergibt – ganz anders als beim eher einzelgängerisch veranlagten Namensgeber des Bieres, Deichgraf Hauke Haien.
Gemein haben sie allerdings eine gewisse Sturheit, denn das Malz weicht nicht mehr aus dem Gaumen und beim fortschreitenden Biergenuss fällt das Fehlen der hopfigen Herbheit dann doch auf. Die Macher haben sich für eine sehr malzige Pilsvariante entschieden, die gegen Ende sogar einen kleinen Ausritt ins Süßliche wagt. Das freut den Malzfreund, kann aber den bewussten Konsumenten irritieren, der sich für ein „norddeutsches Pils“ – so die Brauerei – entschieden hat.
