Die Woidlerei führt seit ein paar Jahren einige Brauereien in einem gemeinsamen Bierbrau-Projekt zusammen, die im und am Bayrischen Wald (=“Woid“) angesiedelt sind – wachsen bei diesem Weizen die Bäume in den Himmel?
Bucher Bräu geht auf die Gründung einer Braustätte zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Grafenau zurück und ist auch heute noch dort ansässig. Trotz der langen Tradition ist die Brauerei, die sich seit 1863 in Familienbesitz befindet, hinsichtlich ihrer Produkte gar nicht betulich, sondern bleibt stets am Puls der Zeit. So führten die Buchers bereits den 90ern des vergangenen Jahrhunderts die trendige 0,33-Flasche ein. In Niederbayern!
Im vergangenen Jahr hat sich Bucher Bräu dann auch ihrem progressiven Impuls folgend der von Ettl und Falter initiierten Initiative Woidlerei angeschlossen, mit dem Brautraditionen aus dem Bayrischen Wald wieder aufleben sowie der Austausch untereinander gefördert und lokale Kompetenzen gebündelt werden sollen. Der Beitrag von Bucher Bräu zu diesem Projekt, in dem bereits ein Helles (= Ettl) und ein Dunkles (= Falter) zu haben sind, wird heute von uns getestet: Bucher-Weizen. Mutig, denn die Brauerei hat bereits drei Weizen im Sortiment!

Der weiße grobporige Schaum, der sich beim Einschenken rasch bildet, hat nicht nur das Aussehen von Schäfchenwolken am Sommerhimmel, sondern auch deren Konsistenz – er löst sich nämlich sofort auf. Darunter blubbert ein goldgelbes trübes Bier träge vor sich hin. Ein schwerer malziger und erwartbar süßlicher Duft erreicht die Nase und bringt kräftige grasige Hopfennoten mit sich. Die zurückhaltende Perlage erzeugt im Zusammenspiel mit dem Weizenmalz eine überraschend cremige Haptik, die ziemlich spannend ist.
Das Woidlerei-Weizen von Bucher mit seiner überraschenden Samtigkeit und der eleganten Kombination von Weizen- und Gerstenmalz ist ein Bier, das auch für Weizenkritiker ein interessantes Erlebnis bereithält. Es empfiehlt sich dabei, nicht allzu eiliges Trinktempo vorzulegen, denn gegen Ende lässt der Weizencharakter stark zugunsten der Gerste nach und trägt zu einer brotigen Süßlichkeit bei, die den Abschied schwer macht.
