Bereits die Flasche bringt hier für das Projekt „Senatsbock“ eine knifflige Herausforderung mit sich, denn im Gegensatz zu den Longneck-Bottles in die alle anderen beteiligten Brauereien abfüllen, nutzt Astra natürlich eine „Knolle“ – sticht auch das enthaltene Bier entsprechend hervor?
Der diesjährige Senatsbock stand unter keinem guten Stern. Bereits bevor die Ergebnisse im Februar 2026 zum Anstich freigegeben wurden, machte die seit Jahren beteiligte Bunthaus-Brauerei dicht. Im Frühling meldeten dann noch Gründungsmitglied Landgang und schließlich die relativ neu hinzugekommene Astra St. Pauli Brauerei Insolvenz an. Noch sind die Pforten aber offen und auch ihr Senatsbock hat es in das Gebinde aus zunächst sechs, später fünf Flaschen geschafft, die von den Hamburger Bauereien im Senatsbock-Projekt gemeinsam konzipiert und dann getrennt produziert wurden.

Über dem tiefdunklen Bier sprudelt zunächst ein hochmotovierter bräunlicher Schaum aufgeregt auf, verschwindet aber rasch wieder. Zurück bleibt ein schwerer süßlicher Duftmix in dem zunächst Vanille dominiert. Wenn man sich etwas Zeit lässt, die Nase auf die Reise zu schicken, fächert sich bald eine Palette an insbesondere schokoladigen Variationen auf.
Auch auf der Zunge hält sich die Süße nicht gerade zurück, wird hier aber mehr von den etwas bitteren Anteilen des Ergebnisses kunstvoller Malzveredelung geprägt. Zunächst schmeckt der Senatsbock der Astra St. Pauli Brauerei nach einem gut gesüßten Café Latte mit Karamellaroma. Der kaum wahrnehmbare Blubber sowie die allgemein sehr cremige Haptik des Bieres tun hierzu ihr Übriges.
Gut, dass auf einer Knolle (auerhalb des Norden komischerweise Stein genannt) so viel Platz ist, denn die Inhaltsangabe des Senatsbock der Astra St. Pauli Brauerei liest sich, wie die Beute eines beherzten Griffes in’s Süßkram-Regals: Kakaopulver, Schokonibs und Löffelbiskuits sind dabei, alles ist abgerundet durch einen Schluck Kornbrand. Und jede Zutat drängelt sich während des Trinkens mal nach vorne. Nur von den stattlichen 9,3 % vol merkt man nichts… sie dringen einfach nicht durch. Zunächst zumindest!
Als idealer Kontrast zur biergewordenen Besichtugung von Willy Wonkas Fabrik entsteht im Rachen eine durchdringende Bitterkeit, die Minuten braucht, um zu vergehen. Sie lässt allerdings mit zunehmender Temperatur nach und der interessante Gegensatz verschwindet, während die schokoladig schwere Süße das gesamte Trinkerlebnis übernimmt. Der Geruch nimmt seinerseits zunehmend den Charakter von Kaffee an. Im Zusammenspiel mit der cremigen Konsistenz und unter dem Eindruck der nun völlig fehlenden Perlage und des nun souverän nach vorne tretenden Alkoholgeschmacks erinnert der Senatsbock der Astra St. Pauli Brauerei in den letzten Zügen dann schließlich eher an dunklen Wein, als an Bier.
Zu Geschichte und Hintergründen des Senatsbock, schau in unseren Artikel „Hamburger Senatsbock – eine nagelneue Tradition“
