In der Bar Oorlam treffen sich die Liebhaber des Hamburger Crafters Buddelship mit den Fans einfallsreicher holländischer Wacholderspirits. Beides ist in den Kühlschrängen dieser einladenne Eck-Kneipe reichlich vorhanden. Zudem spenden die Hähne, die liebevoll nach dem Vorbild von Hafenkränen gestaltet sind, zahlreiche spektakuläre Craftbiere – ist im Herzen der Neustadt Platz für Neues?
Die Bar Oorlam in der Hamburger Neustadt bezeichnet sich als „Craft Beer & Spirits Bar“. Hier kooperieren die Buddelship Brauerei und Filosoof Jenever aus den Niederlanden. Der einfallsreiche Hamburger Crafter ist mit allen seinen Produkten auf Flasche vertreten. Die bunte Reihe der bis zu 15 am Hahn verfügbaren Biere geht allerdings weit über das Angebot von Buddelship hinaus. Zudem gibt es eine umfangreiche Auswahl an eigenen Jenever-Sorten. Im Gegenzug ist allerdings die Auswahl an Speisen spärlich. Es gibt nur Angerichtetes und nichts Zubereitetes. Die Käseauswahl ist jedoch ebenso einfallsreich wie geschmackssicher – eine deutliche Reminiszenz an die holländische Herkunft der Inhaberin.

Abseits jeglicher Kiezromantik
Etwas irreführend ist der Ausdruck „Neustadt“ für dieses Stadtgebiet natürlich schon. Die Bebauung der Gegend zwischen St. Pauli und Altstadt wurde schließlich bereits im 17. Jahrhundert im Wesentlichen fertiggestellt. Dringt man zwischen Wallanlagen und Musikhalle entschlossen in die Hamburger Neustadt ein, führt es den Besucher geradewegs und recht schnell zur Bar Oorlam, die durch den Schriftzug auf dem stilisierten Dampfer bereits von Weitem zu erkennen ist.
Dieses Design lehnt sich vielleicht ganz zufällig an an die Block-Ästhetik an, mit der Brauer Simon Siemsglüss alle seine Buddelship-Produkte verschönert. Was zunächst vielleicht an Stecksysteme à la LEGO gemahnt, erinnert auf den zweiten Blick an die Containerbeladung moderner Seeschiffe. Als Kontrapunkt zum Namen der Brauerei nutzt Buddelship hier ganz realistisch die Bildsprache der Moderne – weg von Kiezromantik, Matrosentattoo und Seebärgebrumme, mitten rein in die anonyme termingebundene hochtechnisierte entpersonalisierte weltweite Warenherumhasterei, die auch Hamburg mittlerweile so sehr prägt.

Unprätentiös und bodenständig
Innen erwartet die Gäste ein sehr unaufdringliches Interieur, das sich irgendwo zwischen selbstverwalteter Studentenkneipe und 80er Jahre-Wartesaal bewegt. Dazu gehören ein liebevoll bestickerter Tresen und das für Craftbier-Bars typische White-Board, auf dem die Biere des Tages aufgeführt sind: Name, Sorte, Hersteller und Akoholgehalt – mehr benötigt der Freund besonderer Biere nicht. Angenehm unprätentiös sind auch die Gläser, in die die verfügbaren Spezialitäten ausgeschenkt werden. Kleine Biere werden in fast tumblerartigen breiten Gläsern serviert, die eine einigen Spezialisten sicher als verhältnismäßig zu groß erscheinende Öffnung aufweisen. Pragmatiker sagen sich dabei: einfach schneller trinken.

Simon Siemsglüss und sein Buddelship haben ja in den letzten Jahren einige Klippen in stürmischer See umschiffen müssen. Mittlerweile hat er irgendwo zwischen Bremerhaven und Bremervörde im Lande Wursten Anker geworfen und erforscht auf einem malerischen Resthof neue Horizonte. Wer sich über seine aktuellen Biere auf dem Laufenden halten möchte, der hat in der Bar Oorlam immer eine gut sortierte Anlaufstelle.
