Obwohl nur Produkte dazugehören, die von Mönchen in Klöstern gebraut wurden, blicken die sogenannten „Trappistenbiere“ im Vergleich eigentlich auf keine sonderlich lange Brautradition zurück. Dennoch genießen sie hohes Ansehen unter Kennern – zu Recht?
Die Trappisten gingen aus den Zisterziensern hervor, die ihrerseits ursprünglich eine radikale Gruppe von Benediktinermönchen waren, denen der Orden einfach „zu lasch“ geworden war. Wie es bei Männergruppen üblich ist, die auf sich alleine gestellt sind und Zugriff auf große kühle Räume, reichlich Zeit und ein flexibles Budget haben, begannen die Trappisten damit, Bier herzustellen. Es gibt zahlreiche Anbieter auf dem Markt, aber nur eine Handvoll Brauereien – etwa zehn – dürfen ihre Produkte als Echtes Trappistenbier („Authentic Trappist Product“) kennzeichnen. Um ein entsprechendes Siegel zu erhalten, muss die jeweilige Klosterbrauerei auch wirklich von Trappisten geführt werden. Zudem muss ein Großteil der erzielten Erlöse wohltätigen Zwecken zu Gute kommen. Die meisten der Brauereien, die heutzutage noch diesen Vorgaben gerecht werden – eine davon Westmalle – wurden Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet. Sie sind somit weit von dem entfernt, was im deutschsprachigen Raum unter „Klosterbrauerei“ verstanden wird.

Beim Öffnen entströmt der Flasche ein kräftiger Malzgeruch, der eine klare fruchtige Note trägt, die an leicht überreifen Pfirsich erinnert. Hinter den vielversprechenden Brot- und Fruchtaromen wabert ein leicht spritiger Duft mit. Hier künden sich die 9,5 % Alkohol bereits an, die den Charakter dieses Bieres nuneinmal prägen. Beim Einschenken bildet sich ein cremiger und beständiger Schaum, woraus sich im Zusammenspiel mit dem goldgelben trüben Bier insgesamt rein optisch harmonischer und appetitlicher Eindruck ergibt – wichtig, denn das Auge trinkt bekanntermaßen ja auch mit.
Für den Freund herber Biere ist das Tripel von Westmalle definitiv nichts. Aber auch die Spezialisten, die jeden Fruchthopfen beim Vornamen kennen und Westcoast-IPA für den überfälligen Schritt hin zum perfekten Bier halten, werden an diesem Belgier keine Freude haben. Zwar ist eine Vollundigkeit gewährleistet, in der sich die Obstaromen ganz nach vorne drängen, aber viel zu süß ist sie, diese Fruchtigkeit. Was bei den leichten Sommerbieren der C-Hops-Sparte erfrischend zwischen den Geschmackszonen unserer Zunge hin- und hertanzt, klebt hier am Gaumen wie ein Fruchtbonbon unklarer Provenienz, wie man sie aus den Greif-zu-Gläsern auf dem Tresen bahnhofsnaher Billighotels fischen kann.
Wer aber Lust darauf hat, zu erfahren, wie man respektable 9,5 % Alkohol hinter Malz, Hopfen und einer 500jährigen Geschichte (die eigentlich nur 50 Jahre gedauert hat) versteckt, der sollte unbedingt einmal zum Trappisten Tripel von Westmalle greifen.
